Fleckfieber-Impfstoff aus dem KZ
Buchenwald
Impfstoff-Ampullen mit der
Bezeichnung "Fleckfieber-Impfstoff". Die
Verpackung trägt die Aufschrift "Hyg.-Institut
der Waffen-SS. Fleckfieber-Impfstoff. Op. Nr. 87.
Hergest. am: 10.1944". Originalserum, Glas, Karton,
1944, 13,3 x 10,5 x 2,1 cm, Gedenkstätte Buchenwald,
Inv.-Nr. IV 1241 Z 17a/1. (Reproduktion G. Krynitzki) |
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Widerstand im Block 50
Mitte August 1943 wurde im Block 50 des KZ Buchenwald
die "Abteilung für Fleckfieber- und Virusforschung"
eingerichtet, die dem Hygiene-Institut der Waffen-SS unterstand.
Unter Leitung Ding-Schulers, der auch für die Versuche
im Block 46 zuständig war, sollte hier für den
Bedarf der Waffen-SS Impfstoff entwickelt und produziert
werden. Bis April 1945 arbeiteten im Block 50 insgesamt
59 Häftlinge aus 7 Ländern.
Ding-Schuler hatte keine Erfahrung mit Fleckfieberforschung.
Der eigentliche Fachmann in Buchenwald war ein Häftling,
der jüdisch-polnische Arzt und Immunologe Ludwik
Fleck aus Lemberg, ein Schüler des Fleckfieberexperten
Rudolf Weigl. Fleck hatte bereits eine Odyssee durch das
Ghetto von Lemberg und das KZ Auschwitz hinter sich, als
er am 7. Januar 1944 dem Block 50 zugeteilt wurde.
Durch Flecks Hilfe gelang es den Häftlingen, die
Impfstoffproduktion zu sabotieren: Sie stellten eine große
Menge klaren, aber unwirksamen Impfstoff her, der an die
Waffen-SS geliefert wurde. Und sie produzierten eine kleine
Menge trüben, aber wirksamen Impfstoff, der ausgesondert
wurde und für die Impfung gefährdeter Häftlinge
Verwendung fand.
Block 50 bot noch eine weitere Möglichkeit des Widerstands:
Die SS-Lagerführung hatte panische Angst vor Fleckfieber.
Diese Angst wurde von der Forschungsgruppe gezielt geschürt.
Der von der SS gemiedene Block wurde so zu einer Enklave
im Lager, in der gefährdete Häftlinge dem Zugriff
der Lagerleitung entzogen werden konnten. Unter ihnen
war Eugen Kogon, der österreichische Soziologe und
Philosoph, der 1946 unter dem Titel "Der SS-Staat"
über das Leben in Buchenwald berichtete.
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